Bring Deine Kurzgeschichten für Kinder auf den Punkt!

Dana Bokermann

02/06/2025

Egal, ob Vorlesegeschichten oder Kurzgeschichten für Kinder – und tatsächlich habe ich diese Textformen bisher am häufigsten lektoriert und korrigiert – mir fallen immer wieder sehr ähnliche Probleme auf:

Zu viel Handlung. Zu viele Figuren. Zu viele Ortswechsel. Zu komplex.

Während die ein oder andere Figur zu viel einer Kurzgeschichte für Kinder nicht so viel anhaben kann – Nachbarschaftspicknicks, Freundschaftpartys und Schulausflüge brauchen nun mal Leute – und auch die Schauplätze ruhig mal wechseln dürfen, wenn’s sinnvoll ist, ist es mir aber wichtig, dass Du die Handlung nicht allzu sehr ausufern lässt.

Denn: Eine Kurzgeschichte ist kein zusammengequetschter Roman.

Es braucht hier also nicht unzählige Wendungen und Nebenhandlungen.

Sondern eine klare Linie in Form einer einzigen Handlung.

Wie Du darauf achten kannst, dass Deine Kinder-Kurzgeschichten rund und stimmig werden und was genau eigentlich Kurzgeschichten für Kinder und Vorlesegeschichten sind – das erfährst Du genau hier in diesem Artikel.

Was Dich in diesem Artikel erwartet:

Also, bleib dran!

Was sind Kurzgeschichten, Vorlesegeschichten und Kurzgeschichten für Kinder?

Zur Auffrischung, weil die Schulzeit vielleicht schon länger her ist 😁:

Klassische Kurzgeschichten (die wir vermutlich alle in der Schule durchgekaut haben) sind kurze Erzähltexte, die sich auf das Wesentliche konzentrieren – Momentaufnahmen ohne Nebenhandlung. Nur mit dem Notwendigen an Figuren und meist auf einen Schauplatz begrenzt. Oft mit spätem Einstieg in die Handlung, offenem Ende und viel Unausgesprochenem zwischen den Zeilen. Die Nerds der Erzählliteratur also! 🤪

Auch Kurzgeschichten für Kinder begrenzen sich auf einen Handlungsstrang, wenige Figuren und Orte. Sind aber weniger nerdig als klassische Kurzgeschichten für Erwachsene. Für Zweideutigkeiten und offenbleibende Fragen sind Kindergeschichten nämlich nicht der beste Platz.

Kinder brauchen eindeutige und verständliche Sprache sowie einen klaren Handlungsablauf. Denn sie wollen direkt verstehen, was sie da lesen!

Im Grunde unterscheiden sich Vorlesegeschichten von Kurzgeschichten für Kinder vor allem in der Leseweise.

Kurzgeschichten für Kinder sind zum Selbstlesen gedacht. Zum Beispiel für Leseanfänger.

Vorlesegeschichten werden dagegen in der Regel von Erwachsenen vorgelesen.
Als Einschlafroutine zum Beispiel, um Nähe und Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen oder generell, um Kinder ans Lesen heranzuführen.

Die Grenzen sind hier natürlich fließend. Vorlesebücher wie vom Raben Socke beispielsweise lesen auch Schulkinder durchaus noch gern allein. Und ich sehe keinen Grund, weshalb Mama und Papa nicht auch Geschichten von Die drei ??? Kids vor dem Einschlafen vorlesen sollten.

Je nachdem, welche Zielgruppe Du aber mit Deinen Kindergeschichten erreichen möchtest (Kindergartenkinder oder Schulkinder zum Beispiel), solltest Du Dir die feinen Unterschiede zwischen Kurz- und Vorlesegeschichten bewusst machen.

Kurzgeschichten für Kinder, die zum Selbstlesen anregen sollen, solltest Du sprachlich und inhaltlich auf die entsprechende Altersgruppe anpassen. Weniger ist hier definitiv mehr! Halte Handlung und Sprache klar und einfach. Keine unnötigen Bandwurmsätze und keine Nebensächlichkeiten.

Vorlesegeschichten dagegen blühen durch kleinere Ausschweifungen regelrecht auf. Sprache, Inhalt, Figuren … hier darfst Du Dich ruhig etwas freier bewegen. Vorlesende Erwachsene können meist auch komplexere Sätze problemlos bewältigen und dem Kind bei inhaltlichen Fragen erklärend zur Seite stehen.

Trotzdem gilt auch bei Vorlesegeschichten: Zu viel ist zu viel!

Nach jeder erzählerischen Abweichung von der Handlung – Aufzählung von Partygästen, Geburtstagsgeschenken, Eissorten oder Farben im Blumenbeet – solltest Du Deinen Weg zurück zum roten Faden finden. Denn sonst wirds trotz Vorleseperson schnell zur Überforderung!

Zum klareren Verständnis habe ich Dir hier mal eine Übersicht zusammengestellt über die wichtigsten Merkmale von Vorlesegeschichten und Kurzgeschichten für Kinder, sodass Du Dich beim Planen und Schreiben Deiner Kindergeschichte entsprechend orientieren kannst.

Merkmale von Vorlesegeschichten und Kurzgeschichten für Kinder

MerkmaleKurzgeschichten für KinderVorlesegeschichten
ZielgruppeKinder, die selbst lesen (ab etwa 7 Jahren)Kinder, die vorgelesen bekommen (etwa 3–8 Jahre)
SpracheKlar, einfach, altersgerechtEtwas komplexer möglich, da Erwachsene lesen und erklären können
EinstiegKlare Einführung nötig (wer, wo, was)  
Beispiel: Max hat sich den ganzen Morgen schon auf seine Geburtstagsfeier gefreut. Endlich ist es so weit! Die ersten Gäste kommen schon.
Sanfter erzählerischer Einstieg  
Beispiel: Es ist ein warmer Sommertag. Bienen summen und bunte Schmetterlinge tanzen durch die Luft. Benno atmet tief den frischen Duft des Klees ein und freut sich auf einen Tag am Badesee.
HandlungKlar fokussiert, keine NebenhandlungenDarf etwas ausführlicher und abwechslungsreicher sein, mit kleinen Abschweifungen.
EndeEher geschlossen mit eindeutiger AuflösungMeist abgeschlossen, oft mit emotionaler oder lehrreicher Pointe
FigurenanzahlWenige FigurenMehrere Figuren möglich
SchauplatzÜberschaubar, nicht zu viele OrtswechselVariabel, kann auch wechselnde Orte umfassen
LeseweiseSelbstlesenWird vorgelesen – Kommunikation zwischen Kind und Erwachsenem
FunktionEinstieg ins LesenNähe schaffen, Gespräche anregen, Leseroutine aufbauen

Worauf Du beim Schreiben von Kurzgeschichten für Kinder achten solltest

Damit Du selbst kontrollieren kannst, ob Deine Vorlese- oder Kurzgeschichte für Kinder in sich stimmig und gut abgerundet ist, gebe ich Dir hier mal ein paar Fragen an die Hand, anhand derer ich Deinen Text lektorieren würde:

  • Gibt es einen klaren Aufbau, bei dem Anfang, Mitte und Ende aufeinander abgestimmt sind?
  • Bleibt es bei einer Handlung?
  • Wird die Erzählperspektive sinnvoll genutzt?
  • Macht die Hauptfigur eine Entwicklung durch? / Passiert etwas in der Geschichte?
  • Wird klar, worum es in der Geschichte geht?
  • Ist das Verhalten, Auftreten, Reden der Figuren glaubhaft und konsistent?

Du siehst:

Ich zähle nicht akribisch durch, wie viele Seiten Dein Text hat und ob ja keine Figur oder kein Ortswechsel zu viel vorkommen. Wenn es zu viel ist, merke ich es einfach beim Lesen.

Und wenn nichts auffällt, weil die Geschichte trotz vieler Figuren beispielsweise stimmig ist – ja, dann ist doch alles prima!

Vielmehr achte ich aber darauf, ob Deine Kurz- oder Vorlesegeschichte insgesamt klar strukturiert und sinnvoll aufgebaut ist.

Und jetzt möchtest Du vermutlich wissen, wie Du das erreichen kannst.

Dann lies genau hier weiter …

Wie Du Kurzgeschichten für Kinder planen und schreiben kannst

So! Nun möchtest Du also konkret wissen, wie Du mit dem Schreiben Deiner Kurzerzählung für Kinder beginnen sollst und worauf Du dabei achten kannst.

Daher habe ich Dir hier mal einen kleinen Kurzgeschichten-Fahrplan zusammengestellt.

  1. Ideen finden: Hast Du bereits Ideen für Deine Geschichten im Kopf? Prima! Falls nicht, schau und hör Dich bei den Kindern in Deiner Umgebung um. Wofür interessieren sie sich? Und vor allem wofür interessierst Du Dich so sehr, dass Du Kindern davon erzählen möchtest? Möchtest Du über ein bestimmtes Thema schreiben wie Angst, Freundschaft, Abenteuer? Oder hast Du bereits eine Hauptfigur im Kopf, über die Du eine Geschichte erzählen möchtest? Vielleicht sogar eine ganze Reihe von Vorlesegeschichten oder Kurzgeschichten, die Du in einem Sammelband zusammenfasst?

  2. Zielgruppe ermitteln: Überlege Dir, für welche Altersgruppe von Kindern Deine Geschichtenideen interessant sind. Fantasiewesen oder Tierfiguren sind bei jüngeren Kindern beliebt. Ältere Kinder wirst Du eher mit lebensnahen Figuren überzeugen. Du kannst Dir natürlich auch zuerst überlegen, für welche Altersgruppe von Kindern Du schreiben möchtest und anhand dieser Info passende Ideen generieren.

  3. Plane Deine Geschichte: Wenn Du lieber intuitiv schreibst und Deiner Fantasie freien Lauf lässt, ist das natürlich in Ordnung. Überlege Dir aber zumindest einen groben Ablauf Deiner Kurzgeschichte – worum soll es gehen? Welche Figuren tauchen auf (nicht zu viele und möglichst nur eine Hauptfigur oder eine kleine Gruppe von Hauptfiguren)? Wo und wann spielt sich die Handlung ab und was passiert im Laufe der Geschichte, sodass eine sinnvolle Entwicklung vom Geschichtenanfang bis zum Ende stattfindet.

  4. Plane Deine Figuren: Das macht vor allem dann Sinn, wenn Du eine ganze Reihe von Vorlesegeschichten oder Kurzgeschichten für Kinder planst, die sich um eine bestimmte Hauptfigur oder eine Gruppe von Figuren herum abspielen.
    Halte am besten schriftlich für Dich fest, wie die Figuren aussehen, wie sie sich typischerweise verhalten, wie sie reden, welche Charaktereigenschaften sie haben und so weiter. Falls es für Deine Geschichtenreihe Sinn macht, lege eventuell einen Familienstammbaum an oder Lebensläufe der Figuren. Nicht alles davon muss in Deinen Geschichten dann auch auftauchen. Aber es hilft Dir, über mehrere Geschichten hinweg, ein einheitliches Figurenbild zu schaffen.
    Und auch bei einzelnen Kindergeschichten lohnt es sich, Dir über Punkte wie Aussehen und Charaktereigenschaften der Figuren im Klaren zu sein, damit in Deiner Geschichte nicht plötzlich überraschende Abweichungen auftauchen, die nicht Teil der Handlung sind.

  5. Klarer Einstieg: Gib den lesenden Kindern einen klaren Einstieg in Deine Kurz- oder Vorlesegeschichte. Kläre das Wer, das Wo und das Wann, bevor die Handlung in Fahrt kommt. In Vorlesegeschichten kannst Du den Einstieg erzählerisch etwas ausschmücken und Atmosphäre schaffen. Bleib bei Kindergeschichten zum Selbstlesen aber lieber aufs Wesentliche konzentriert.

  6. Sinnvolle Mitte: Halte Dichaneinen Handlungsstrang, indem ein Problem auftaucht und gelöst wird und verstricke Dich nicht in Nebenhandlungen oder Nebensächlichkeiten.
    Beispiel: Wenn Max und Mia einen Tag im Schwimmbad planen und das der Inhalt Deiner Kurzgeschichte sein soll, dann musst Du nicht auch noch ausführlich schildern, wie sie vorher ihre Hausaufgaben erledigen – eventuell noch mit Rückblende auf die strenge Mathelehrerin, anschließend noch Papas Auto waschen und die Oma besuchen. Ich glaube, Du weißt, was ich meine. Oder? 😅

  7. Abgerundetes Ende: Das Problem bzw. der Konflikt, der im Laufe Deiner Kurz- oder Vorlesegeschichte entstand, sollte am Ende gelöst sein, alle Fragen beantwortet. Und wenn Du hier am Ende noch mal inhaltlich einen Bogen zum Anfang der Geschichte spannst – dann ist es ein sehr gutes Zeichen dafür, dass die Handlung in sich stimmig ist und ein großes Ganzes bildet.

Übrigens: Vor allem Vorlesegeschichten sind oft Teil einer Routine im Kinderalltag – zum Einschlafen, zur Entspannung oder um Lesegewohnheiten zu festigen. Hier steht die Spannung der Geschichte nicht unbedingt so sehr im Vordergrund. Eher geht es um Lernen, Begreifen und Verstehen. Es muss hier also im Laufe der Erzählung nichts Hyperspektakuläres passieren. Trotzdem sollte die Handlung logisch aufgebaut sein, in eine klare Richtung gehen und Kinder inhaltlich und sprachlich nicht überfordern.

Fazit: Weniger ist mehr in Kurzgeschichten für Kinder

Daher also noch mal zusammengefasst.

Kurzgeschichten für Kinder sind nicht einfach nur kurze Geschichten für Kinder.

Es kommt nicht so sehr darauf an, dass sie möglichst kurz, sondern dass sie in sich abgeschlossen sowie übersichtlich und klar strukturiert sind.

Einen klaren und übersichtlichen Geschichtenaufbau erreichst Du, indem Du Dich beim Schreiben auf das Wesentliche der Handlung konzentrierst, nicht in Nebenhandlungen ausschweifst, Dich auf ein oder zwei Hauptfiguren und wenige Nebenfiguren einigst und auch die Orte in der Geschichte auf ein notwendiges Minimum begrenzt.

Auch wenn Du Dich bei Vorlesegeschichten erzählerisch ruhig etwas mehr auslassen darfst, solltest Du Dich nicht zu sehr in Nebensächlichkeiten verlaufen und den roten Faden der Geschichte nicht verlieren.

Plane am besten Handlungsablauf und Figuren, bevor Du mit dem Schreiben beginnst.

Prüfe im Anschluss, ob das Ende Deiner Kurzgeschichte zum Geschichtenanfang passt und ob es eine logische Konsequenz ist aus dem, was im Hauptteil Deiner Geschichte passiert.

Teste unbedingt auch verschiedene Erzählperspektiven: auktorial, personal oder Ich-Erzähler. Du wirst staunen, wie sehr das Deine Geschichte verändern kann.

Hast Du Lust, mit mir gemeinsam eine Kinder-Kurzgeschichte oder eine Vorlesegeschichte zu entwickeln? Zusammen arbeiten wir an einer Idee für Deine Geschichte, entwickeln Figuren und planen einen Handlungsablauf.  
Du schreibst und ich gebe Feedback. Interesse? Dann schreib mich an. Ich freu mich auf Dich.

Lass Dich von weiteren Artikeln inspirieren:

{{brizy_dc_image_alt entityId=
Worauf ich als Lektorin bei der
Erzählperspektive im Kinderbuch achte!
{{brizy_dc_image_alt entityId=
Kinderbuch schreiben – lohnt sich das heute überhaupt noch?
{{brizy_dc_image_alt entityId=
Bring Deine Kurzgeschichten für Kinder auf den Punkt!
{{brizy_dc_image_alt entityId=
Fantastische Kinderromane ohne Fantasy und Feenglitzer?
{{brizy_dc_image_alt entityId=
Actionhelden und Abenteurerinnen: Fair Play in Kinderbüchern
{{brizy_dc_image_alt entityId=
Von der Kinderbuchmama zum Crossover-Fan: Wie Kinderbücher Dein Erwachsenenleben bereichern