Kinderbuch schreiben – lohnt sich das heute überhaupt noch?

Dana Bokermann

02/07/2025

„Du schreibst ein Kinderbuch? Aber Kinder lesen doch gar nicht mehr.“

„Die hängen doch nur noch am Handy.“

„In der heutigen Zeit interessieren sich Kinder doch gar nicht mehr für Bücher.“

Hast du dir solche Sätze auch schon anhören müssen? Vielleicht, weil du gerade ein Kinderbuch schreibst oder mit dem Gedanken spielst, eines zu veröffentlichen? Motiviert fühlt man sich danach eher nicht.

Mir persönlich gehen solche Negativaussagen über unsere Kinder ziemlich auf die Nerven. Denn unsere Kinder sind nicht mit Handys, Tablets und WLAN geboren. Sie haben sich die Digitalisierung nicht ausgedacht. Der technische Fortschritt hat sich über Jahrzehnte entwickelt  und wir Erwachsenen haben ihn begeistert angenommen. Weil’s praktisch war. Weil’s Spaß gemacht hat. Oft ohne viel zu hinterfragen.

Wenn wir also heute Kinder dafür kritisieren, dass sie digitale Medien nutzen, ist das nicht nur unfair, sondern auch ein bisschen scheinheilig.

Was macht diese Entwicklung mit uns als Kinderbuchautorinnen und -autoren?

Trotzdem verstehe ich gut, wenn auch du dich fragst, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, Kinderbücher zu schreiben. Du investierst Zeit, Geld und Herzblut. Und dann siehst du gefühlt nur noch Kinder, die pausenlos am Handy hängen. Da kann schnell der Eindruck entstehen: Liest überhaupt noch jemand?

Doch bevor du dein Manuskript in die Schublade legst, lass uns das Thema in Ruhe durchgehen. Denn: Kinderbücher zu schreiben ist alles andere als sinnlos. Mehr noch – es ist wichtiger denn je.

Lesen Kinder wirklich nicht mehr?

Zahlen zeigen: Kinder lesen heute weniger als früher und auch das Vorlesen nimmt ab. Die Lesekompetenz sinkt. Und das hat Folgen. Denn Lesen ist nicht nur Schulstoff, es ist die Grundlage für Bildung, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.

Lesen bedeutet mehr, als Buchstaben zu entziffern und Wörter zu erkennen. Es bedeutet zu verstehen, zwischen den Zeilen zu lesen, Humor zu erfassen, Wissen zu erweitern, die eigene Fantasie zu entfalten.

Deshalb sind die Studienergebnisse besorgniserregend – aber kein Grund aufzugeben. Im Gegenteil. Sie zeigen, wie notwendig es ist, Kindern weiterhin Bücher anzubieten, die sie wirklich erreichen.

Denn auch wenn insgesamt weniger gelesen wird, gibt es sie noch: die Vielleserinnen und Vielleser. Kinder, die Bücher verschlingen, regelmäßig in Bibliotheken stöbern, mit Begeisterung in Geschichten abtauchen. Und es gibt viele, die zwar nicht dauernd lesen, aber eben doch, wenn ein Buch sie wirklich packt.

Auch Eltern spielen eine Rolle. Viele setzen sich intensiv mit Bildung auseinander, lesen vor, kaufen Bücher. Vielleicht nicht mehr ganz so häufig wie früher, aber sie sind da und ihre Kinder verdienen gute, kluge und spannende Geschichten.

Sind digitale Medien das Problem?

Kinder verbringen heute viel Zeit mit digitalen Geräten. Sie schauen Videos, chatten, spielen. Das ist Teil ihrer Lebenswelt. Aber: Sie sind nicht schuld an dieser Entwicklung. Die digitalen Möglichkeiten haben wir Erwachsenen geschaffen und bereitwillig genutzt.

Statt Kinder dafür zu verurteilen, lohnt es sich, unseren eigenen Medienkonsum zu hinterfragen. Und offen mit Kindern über Social Media, Spiele und Streaming zu sprechen. Verantwortung zu übernehmen, statt Schuld zu verteilen.

Heißt das, digitale Medien sind schlecht? Nein. Ein gesunder Umgang ist wichtig. Lesen und Mediennutzung schließen sich nicht aus. Kinder können gern zocken und trotzdem Bücher lesen. Manche entdecken über Apps oder E-Books überhaupt erst ihre Freude an Geschichten.

Das Handy ist also kein Feind des Buches. Es ist ein weiteres Angebot – eines, das wir begleiten und mitgestalten sollten. Entwicklung passiert auf vielen Wegen. Ob beim Lesen eines Buches, beim Tüfteln in einem kniffeligen Videospiel oder beim Informieren in den sozialen Medien. Eine ausgewogene Mischung und ein reflektierter Umgang machen’s aus!

Kinderbücher sind heute wichtiger denn je

Gerade weil Kinder heute in einer digitalen Welt aufwachsen, brauchen sie Bücher. Nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Als Gegenpol, der Tiefe und innere Ruhe bietet. Als Raum, in dem sie sich selbst begegnen können.

Denn Geschichten auf Papier oder im E-Book-Reader können etwas, das kein Video und kein Spiel leisten kann: Sie schaffen Verbindung – zu Figuren, zu Gedanken, zu sich selbst.

Wenn wir wollen, dass Kinder lesen, brauchen wir Bücher, die sie berühren. Geschichten, die ihnen aus der Seele sprechen. Die sie zum Lachen bringen, zum Staunen, zum Nachdenken. Die sie ernst nehmen.

Natürlich ist das Schreiben von Kinderbüchern selten ein finanziell sicherer Weg. Die meisten können davon nicht leben. Viele kämpfen um Sichtbarkeit. Trotzdem – oder gerade deshalb – braucht es engagierte Autorinnen und Autoren.

Denn ohne Bücher, die wirklich etwas erzählen wollen, wird das Lesen nicht zurückkehren.

Was Kinderbücher leisten können

Ein gutes Kinderbuch ist mehr als Unterhaltung. Es bringt Kinder zum Denken, erklärt, ordnet ein, zeigt Zusammenhänge. Es weckt Empathie, regt die Fantasie an, stärkt die Identität.

Besonders in einer Welt, die oft schnell, laut und überladen ist, braucht es Geschichten, die entschleunigen. Die Zeit lassen. Die Tiefe bieten, statt nur Reiz.

Wichtig ist dabei: Kinderbücher müssen nicht mit digitalen Medien konkurrieren. Sie müssen nicht genauso bunt, laut oder kurzweilig sein wie TikTok-Videos oder Handyspiele. Im Gegenteil.

Die Stärke des Kinderbuchs liegt in der Ausführlichkeit. Im Wort. In der Fähigkeit, innere Konflikte und Emotionen greifbar zu machen. Das kann kein Algorithmus ersetzen.

Selfpublishing: Mut zur Nische

Wenn du im Selfpublishing unterwegs bist, hast du einen Vorteil: Freiheit. Du kannst mutige Themen aufgreifen. Randgruppen sichtbar machen. Bücher schreiben, die nicht glattgebügelt sind, sondern echt.

Verlage spielen oft auf Nummer sicher. Als Selfpublisherin kannst du anders denken. Und genau damit vielleicht Kinder erreichen, die sich in klassischen Geschichten nicht wiederfinden.

Gerade in der Nische liegt eine große Chance.

Fazit: Deine Geschichte zählt!

Wenn du auf schnellen Erfolg aus bist, ist das Schreiben von Kinderbüchern wahrscheinlich nicht der richtige Weg. Aber wenn du Kinder mit deinen Geschichten stärken, berühren, inspirieren willst – dann lohnt es sich. Für dich. Für sie. Für alle, die noch auf das eine Buch warten, das sie für immer fürs Lesen begeistert.

Denn diese Kinder gibt es. Und sie warten auf deine Geschichte.

Du schreibst selbst an einem Kinderbuch?

Du möchtest sicher sein, dass dein Text sprachlich rund ist, dein Stil zur Zielgruppe passt und deine Geschichte Kinder wirklich erreicht?

Dann begleite ich dich gern mit einem sorgfältigen Lektorat oder einer individuellen Schreibberatung.

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